Herdenking 75 jaar Operatie Veritable

9 februari 2020

Herdenking 75 jaar Operatie Veritable op zondag 9 februari 2020 in Groesbeek.
Hier volgt de toespraak van Josef Gietemann, onze SPD-vriend uit Kleef, hierbij in functie als stellvertretende Bürgermeister der Stadt Kleve.

BM-Ansprache am 09.02.2020 in Groesbeek, Gemeente Berg en Dal

– Es gilt das gesprochene Wort –

Geachte burgermeester Slinkmann, beste Mark,
Geachte Mijnheer Janssen, beste Piet,
Geachte Dames en Heren,

Ruim tweehonderd jaar geleden zou de Kleefse burgermeester deze toespraak ook in het Nederlands zijn begonnen of beter gezegd: op z ́n Kleefs.

Josef Gietemann
foto Piet Spanjers

Meine Damen und Herren, noch vor 200 Jahren hätte ich als Klever Bürger, an dieser Stelle Kleefs gesprochen und sie alle hätten mich verstanden; in diesem Fall wäre es wohl Kleefs Platt gewesen. Bis heute können sich die Platt Sprechenden von beiden Seiten der Grenze immer noch problemlos verständigen.

Daher hoffe ich, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass sie mir heute mit einer Mischung aus Wohlwollen und Anstrengung weitestgehend folgen können.

Nooit was de grens zo gesloten als in de jaren na de oorlog.

Nach dem 2. Weltkrieg, der vor 75 Jahren zu Ende ging, konnten sich die Nachbarn nicht so schnell wieder die Hände reichen. Wohl noch nie in der Geschichte war die Grenze, ja der Graben zwischen unseren beiden Ländern so tief wie in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Und dafür gab es Gründe, die auch deutlich benannt werden müssen:

Am 10. Mai 1940 überfielen deutsche Truppen ihre niederländischen Nachbarn und errichteten ein Besatzungsregime dem schätzungsweise 100.000 jüdische und 25.000 christliche Niederländer zum Opfer fielen.

Obwohl die Übergabeverhandlungen bereits liefen, griffen deutsche Bomber am 14. Mai 1940 die Altstadt von Rotterdam an. Mehr als 800 Menschen starben.

600.000 Niederländer wurden zum sogenannten „Arbeitsdienst“ gezwungen rund eine halbe Million Häuser in den Niederlanden waren am Kriegsende zerstört. In der Grenzregion zwischen Roermond und Arnheim, Mönchengladbach und Kleve wütete der Krieg besonders lange und grausam: sechs Monate lang vom September 1944 bis März 1945.

Die unmittelbare und langanhaltende Reaktion der Menschen in ihrem Land wurde nicht von allen Deutschen verstanden, dabei gehört nicht allzu viel Einfühlungsvermögen dazu, um es sich vorstellen zu können: es ist ein ganz besonderer Schock, wenn das eigene Haus ausgerechnet durch den Nachbarn, den man so gut zu kennen glaubt und mit dem einen engste Beziehungen verbanden, zerstört wird.

Zelf behoor ik tot de generatie van na de oorlog.

Ich selbst gehöre zur Generation derer, die 15 Jahre nach dem Krieg geboren wurden und aufwuchsen. Und natürlich habe ich und haben wir alle, die wir in der Bundesrepublik Deutschland leben, egal wann wir geboren wurden, eine besondere Verantwortung, die aus der Geschichte erwächst:

Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an den Krieg nicht verblasst.

Es ist auch unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass bei aller Erinnerung an das Leid weiterhin die Opfer und die Täter klar beim Namen genannt werden.

Und es ist Insbesondere unsere Verpflichtung, auf die Ursachen von nationalsozialistische Diktatur, Verfolgung, Besatzung und Krieg hinzuweisen.

In den ersten Jahren nach dem Krieg sind viele Deutsche aufrichtig erschrocken über das Ausmaß des Unrechts und des Leids, dass in ihrem Namen über die Welt gebracht wurde. Viele Deutsche haben auch nicht den Mut aufgebracht, sich selbst ins Gesicht zu schauen. Und wieder andere die den Nationalsozialismus im Widerstand, in Angst vor den Rückzug oder in der Emigration überlebt haben, waren noch lange verbittert über den Mangel an Ehrlichkeit und Lernfähigkeit in ihrem Land.
Und dennoch ist das, was oft so missverständlich „Vergangenheitsbewältigung“ genannt wird, die stetige und selbstkritische Auseinandersetzung mit unserer kollektiven und individuellen Geschichte in diesem blutigen 20. Jahrhundert – eine der unbestreitbar positiven Leistungen der demokratischen Deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Laat mij een sprong in de geschiedenis maken.

Geachte Dames en Heren, meine sehr geehrten Damen und Herren,
lassen Sie mich einen Sprung in die Gegenwart machen: Inzwischen ist es auch in meinem Land und in meiner Generation eine Erinnerung an das Ende des 2. Weltkriegs gewachsen, die nicht das Kriegsende, die Kapitulation, die Katastrophe betont, sondern die es wichtig und richtig findet, an die Befreiung zu erinnern – ganz ähnlich wie in ihrer, der niederländischen Gedenktradition, in der es sowohl Gedenktage als auch Feiertage gibt!

Ich glaube, für meine Generation und auch die folgenden Generationen der Nachkriegsgeborenen sprechen zu dürfen, wenn ich sage: Für uns ist das Erlebnis der Freiheit in einer demokratischen Gesellschaft so wichtig und wertvoll und gleichzeitig zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir Heutigen im Rückblick die Beendigung des schrecklichen Krieges durch die alliierten Truppen natürlich als einen Akt der Befreiung begreifen!

Wenn in diesem Jahr in meiner Stadt Kleve zum Beispiel das Stadtarchiv, die Volkshochschule, die weiterführenden Schulen sich an Deutsch-Niederländischen Projekten, nach 75 Jahren Freiheit beteiligen, dann ist das ein Ausdruck dieser selbstverständlichen Verpflichtung, sich für den Erhalt der Freiheit und für „Nie wieder Krieg!“ einzusetzen.

Europa hat dabei sehr geholfen. Die Euregios, in unserem Fall die Euregio Rhein-Waal, haben die Tradition der Zusammenarbeit in neuer Form kultiviert und praktisch werden lassen zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger. An manchen Orten sind z.B. niederländisch-deutsche Schulpartnerschaften entstanden, so dass die Kommunikation und die Zusammenarbeit schon von klein auf gefahren werden können.

Auch die „neuen“ Hörsteinstationen der Liberation Route Europe im Kreis Kleve, in Kranenburg, Kleve und Weeze haben ein Ziel: Die Erinnerungskultur zu fördern und die europäische Idee der Friedensunion augenscheinlich zu präsentieren. Die Jugend soll erreicht und informiert werden.

Wij voelen ons gezamenlijk 75 jaren bevrijd.

Und nicht zuletzt aber besonders erwähnenswert: seit 1994 gedenken in der Region Nimwegen – Kleve Niederländer und Deutsche gemeinsam des Kriegsendes und der Befreiung. Wir fühlen dabei die Gemeinsamkeit der 75 Jahre Freiheit!

Demokratie ist Freiheit als Staatsform. Aber sie ist mehr als das. Sie ist eine Lebenseinstellung für einen respektvollen Umgang miteinander in einer menschlichen Gesellschaft. Dabei ist der demokratische Kompromiss etwas Gutes. Ich wünschte mir, er würde auch wieder von mehr Bürgerinnen und Bürgern als solches gesehen. Denn er gleicht Interessen aus und sichert den
Frieden.

Ich schließe mit dem Zitat eines deutschen Friedensnobelpreisträgers:
Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden und Freiheit ist alles nichts.

Josef Gietemann